Große Namen in der Weißen Villa

Kunstauktion

Aschersleben – Die Angebote waren hochkarätig – die Kauflust der vergleichsweise wenigen Interessenten hielt sich dennoch in Grenzen. Dass die Kunstauktion in der Weißen Villa in Aschersleben am Sonnabend nicht an den Erfolg des vergangenen Jahres anknüpfen konnte, hatte offensichtlich einen triftigen Grund.

Fast zeitgleich hatte die benachbarte Neo Rauch Stiftung zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Kino trifft Kunst und Kunst trifft Kino“ eingeladen.

Das dürfte das kunstinteressierte Publikum vor eine schwierige Entscheidung gestellt und der Auktion den einen oder anderen Interessenten abspenstig gemacht haben.

So sah das am Sonnabend jedenfalls Auktionator Michael Ulbricht vom Leipziger Buch- und Kunstantiquariat.

Auch einen echten Neo Rauch im Gepäck

Dabei hatte er auch einen echten Neo Rauch im Gepäck. Der Farbsiebdruck ohne Titel von 1996 wäre im preiswertesten Fall für 3.300 Euro unter den Hammer gekommen. So lautete jedenfalls das Mindestgebot. Es fand sich aber kein Käufer.

Dafür wechselte ein Plakat, gefertigt als Rauch-Farbkunstdruck mit dem Titel „Aufstand“, angeboten für 120 Euro, am Ende für 220 Euro den Besitzer.

Neo Rauch war einer von zahlreichen namhaften Künstlern, deren Werke am Sonnabend ab 11 Uhr besichtigt und am späten Nachmittag versteigert werden sollten.

Darunter auch Holzschnitte, Siebdrucke, Lithographien, Radierungen und Zeichnungen. Signiert von Joseph Beuys, Marc Chagall, Max Klinger, Pablo Picasso, Werner Tübke, Armin Müller Stahl und zahlreichen anderen.

Großer Geldbeutel war nicht nötig

Insgesamt hatte Auktionator Michael Ulbricht 69 Werke mit nach Aschersleben gebracht. Dabei musste man nicht einmal den ganz großen Geldbeutel dabei haben, um das eine oder andere Bild mit nach Hause nehmen zu können.

Am Ende waren es tatsächlich die eher erschwinglichen Angebote, die in der Weißen Villa die Besitzer wechselten, wobei Ulbricht an der einen oder andere Stelle durchaus auch schon einmal einen Preisnachlass gewährte.

Die Bieterduelle, die in einem proppenvollen Saal vor einem Jahr für zusätzliche Unterhaltung gesorgt hatten, blieben diesmal vor gelichteten Stuhlreichen aus.

Kleinformatige Werke kamen gut an

Was bei den Besuchern gut ankam, das waren vor allem kleinformatige Werke wie die drei Siebdrucke mit Schriftzügen von Beuys für zehn Euro das Stück oder die Aquarelle des Berliners Schmidt „Frau mit Hut“ und Tiermotiven.

Am Ende blieb das erzielte Ergebnis weit hinter dem des Vorjahres zurück. Auch wenn der Auktionator alle Register zog und nicht nur die Werke anpries, sondern dazu auch spannende Geschichten und wissenswerte Informationen zum Besten gab.

Dass die diesjährige Auktion des Leipzigers die vorerst letzte ihrer Art in Aschersleben war, habe allerdings nichts mit dem diesmal mageren Umsatz zu tun.

Das hatte Michael Ulbricht schon am Sonnabendvormittag der MZ verraten. Das sei auch so mit dem Gastgeber, der Lebenshilfe als Besitzer der Weißen Villa, abgesprochen.

Teil des Erlöses an die Lebenshilfe Harzvorland

Da die Auktion als Benefizveranstaltung organisiert war, geht auch diesmal ein Teil des Erlöses an die Lebenshilfe Harzvorland, die Menschen mit Behinderungen betreut.

Es sind 15 Prozent der Einnahmen – wie schon im vergangenen Jahr – die in ein Theaterprojekt der Lebenshilfe fließen. Die Mitglieder der Theatergruppe stellten sich übrigens vor Beginn der Auktion dem Publikum vor.

Mit einem inszenierten Schaubild bedankten sie sich bei den potenziellen Kunstkäufern und denen des Vorjahres für deren Engagement.

Auch wenn diesmal nicht ganz so viel Geld zusammengekommen ist, freue man sich über die Unterstützung durch das Leipziger Buch- und Kunstantiquariat, sagte Klaus Groth vom Verein Lebenshilfe Aschersleben. (mz|Frank Gehrmann)

– Quelle: https://www.mz-web.de/26185614 © 2017